Teil des RC-Lexikons Antrieb & Fahrwerk · 7/8
Kurz gesagt
Der richtige RC-Reifen hängt vor allem vom Untergrund ab: Slicks und Mini-Pins für glatten, festen Boden, mittelgroße Stollen für gemischtes Gelände, hohe Spikes für losen Dreck und Gras, Paddel für Sand und Schnee. Die Gummimischung entscheidet über Grip und Verschleiß – weich haftet besser, nutzt sich aber schneller ab. Die Schaumstoffeinlage stützt die Reifenflanke, damit der Reifen in Kurven nicht einknickt. Reifen werden meist auf die Felge geklebt und über einen Sechskant-Mitnehmer angetrieben, bei 1:10 typischerweise 12 mm, bei 1:8 17 mm.

RC-Reifen: Reifen aus Gummi ohne Luftdruck. Statt Luft stützt eine Einlage aus Schaumstoff die Flanke. Der Reifen sitzt auf einer Felge, meist verklebt, bei Großmodellen und Crawlern oft mit Beadlock-Ring verschraubt. Angetrieben wird das Rad über einen Sechskant-Mitnehmer auf der Achse.
- Wichtigste Wahl
- Profil passend zum Untergrund
- Mischung
- weich = mehr Grip, mehr Verschleiß
- Einlage
- stützt die Flanke statt Luftdruck
- Mitnehmer
- typisch 12 mm (1:10), 17 mm (1:8)
Welcher RC-Reifen passt zu welchem Untergrund?
Auf glatten, festen Untergründen greift ein Reifen mit viel Gummifläche am besten, auf losem Boden ein Reifen mit hohen Stollen, die sich eingraben. Je loser der Untergrund, desto höher und weiter auseinander stehen die Stollen. Die Galerie zeigt die wichtigsten Profile von oben, die Pfeile die Abrollrichtung.
Slick
Ohne Profil, maximale Auflagefläche. Für trockenen Asphalt und Teppich, auf losem Boden nutzlos.
Mini-Pin
Viele kleine Noppen dicht an dicht. Für festen, glatten Boden wie Lehm, Kunstrasen oder Hallenteppich.
Pin (Stollen)
Mittelgroße, versetzte Stollen. Der Allrounder für gemischten Offroad-Untergrund.
Spike
Hohe, spitze Stollen mit viel Abstand. Sie graben sich in losen Dreck, Gras und Schotter.
Paddel
Quer stehende Schaufeln werfen Sand und Schnee nach hinten. Typisch für die Hinterachse auf Sand.
Rippe
Längsrillen führen das Rad seitlich. Klassisch an der lenkenden Vorderachse von 2WD-Buggys.
Die Tabelle ordnet die Profile den Untergründen zu. Sie ist eine Faustregel; Hersteller haben eigene Bezeichnungen, und auf der Rennstrecke entscheidet oft der Zustand am Renntag.
| Untergrund | Profil | Mischung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Asphalt, trocken | Slick, Mini-Pin oder Straßenprofil | mittel bis hart | rauer Asphalt schmirgelt weiche Reifen schnell ab |
| Teppich (Halle) | Slick oder Moosgummi (Onroad), Mini-Pin (Offroad) | je nach Teppich | manche Hallen schreiben Reifen vor |
| Lehm, Hartboden | Mini-Pin, kleine Stollen | weich bis sehr weich | bei Staub eher feineres Profil |
| Schotter, loser Dreck | Pin, Spike | mittel | scharfe Steine reißen Stollen ab |
| Gras | Spike, hohe Stollen | mittel | nasses Gras ist sehr rutschig |
| Sand | Paddel hinten, Rippe vorne | mittel | breite Reifen sinken weniger ein |
| Schnee | Paddel oder hohe Stollen | weich | Kälte macht Gummi härter |
| Eis | Spikereifen mit Metallspikes | – | nur auf sicher tragfähigem Eis fahren |
Für meinen Carson Attack habe ich Spikereifen für Winterausfahrten und Fahrten auf dem See. Auf Schnee und Eis greifen normale Stollen kaum, Metallspikes beißen sich dagegen fest. Was ein Modellauto sonst noch auf dem Wasser kann, steht unter Mit dem Modellauto übers Wasser.
Unsicher, welches Profil du brauchst? Der Entscheidungsbaum führt dich in zwei, drei Fragen zur passenden Richtung.
Wo fährst du meistens?
Onroad: Wie ist die Fläche?
Slick oder Mini-Pin, Mischung nach Temperatur.
Auf Teppich gelten oft die Reifenregeln der Halle. Bei Kälte eine weichere Mischung wählen.
Mini-Pin oder Straßenprofil, eher harte Mischung.
Rauer Asphalt wirkt wie Schmirgelpapier. Weiche Reifen sind dort nach wenigen Akkus abgefahren.
Offroad: Wie fest ist der Boden?
Mini-Pin oder kleine Stollen, weiche Mischung.
Viel Gummifläche bringt auf festem Boden den meisten Grip.
Pin oder Spike, mittlere Mischung.
Hohe Stollen graben sich ein. Für den Mix aus allem ist ein mittleres Stollenprofil der beste Kompromiss.
Paddel hinten, Rippe vorne.
Paddel schaufeln Vortrieb, die Rippe hält die Lenkung in der Spur.
Schnee: Paddel oder hohe Stollen. Eis: Spikereifen.
Weiche Mischung, weil Kälte das Gummi verhärtet. Nach der Fahrt Lager und Elektronik trocknen.
Welche Gummimischung ist die richtige?
Die richtige Gummimischung hängt von Temperatur und Untergrund ab: Weiche Mischungen haften besser und verschleißen schneller, harte halten länger und haften weniger. Hersteller bieten oft Stufen von „super soft“ über „soft“ und „medium“ bis „hard“ an, teils mit Farbcodes – die Bezeichnungen sind aber nicht zwischen Marken vergleichbar.
| Mischung | Grip | Verschleiß | Passt zu |
|---|---|---|---|
| super soft | sehr hoch | sehr schnell | Kälte, Lehm, Rennen |
| soft | hoch | schnell | kühle Tage, griffige Strecken |
| medium | mittel | mittel | Allround, wechselnde Bedingungen |
| hard | geringer | langsam | Hitze, rauer Asphalt, Bashen |
Der Grund für die Temperaturabhängigkeit: Gummi wird bei Kälte härter und bei Wärme weicher. Ein Rennreifen braucht eine gewisse Betriebstemperatur, darunter haftet er schlecht. Im Winter darf die Mischung deshalb eine Stufe weicher sein, im Hochsommer eine Stufe härter. Härte misst man bei Gummi übrigens in Shore – je höher die Zahl, desto härter das Material.
Was machen Reifeneinlagen?
Reifeneinlagen aus Schaumstoff halten den Reifen in Form, weil RC-Reifen keinen Luftdruck haben. Ohne Einlage würde die weiche Flanke in jeder Kurve einknicken, der Reifen würde über die Felge rollen. Wie fest die Einlage ist, beeinflusst Lenkverhalten und Grip spürbar.
In der Kurve drückt der Boden seitlich gegen die Lauffläche. Die Flanke gibt nach, die Lauffläche wandert gegenüber der Felge zur Seite. Dieses Verformen heißt Walken. Es kostet Energie und macht das Lenkverhalten schwammig.
- Felge mit dem verklebten Reifenwulst.
- Flanke ohne Einlage: knickt weit ein, der Reifen rollt fast über die Felgenkante.
- Schaumstoffeinlage: stützt die Flanke, der Reifen bleibt formstabil.
- Seitenkraft in Links- und Rechtskurve.
| Einlage | Eigenschaften | Wirkung |
|---|---|---|
| offenporig (Open Cell) | weich, passt sich an, saugt Wasser auf | mehr Walken, mehr Grip auf Buckeln, träger in Wechselkurven |
| geschlossenzellig (Closed Cell, gegossen) | formstabil, nimmt kaum Wasser auf | direktere Lenkung, gleichmäßig auch nach vielen Fahrten |
| zweistufig (Dual Stage) | innen fest, außen weich | stützt die Flanke und lässt die Lauffläche arbeiten, beliebt bei Crawlern |
Das Walken ist auch der Hauptgrund für den Rollwiderstand eines Reifens: Die Verformung in der Aufstandsfläche wandelt Energie in Wärme um. Auf losem Untergrund wie Sand oder Schotter kommt noch die Arbeit hinzu, den Boden zu verdrängen. Mehr dazu unter Reibung im Antrieb senken.
Welche Felgen und Mitnehmer passen?
Felge und Reifen müssen im Durchmesser zusammenpassen, die Felge muss zum Mitnehmer deines Modells passen. Viele 1:10-Buggys nutzen zum Beispiel 2,2-Zoll-Felgen. Angetrieben wird das Rad über einen Sechskant-Mitnehmer, der auf der Achse sitzt und formschlüssig in die Felge greift.
| Merkmal | Typisch | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Sechskant 1:10 | 12 mm | Breite des Mitnehmers verändert die Spurbreite |
| Sechskant 1:8 | 17 mm | Radmutter mit Flansch, mit Gefühl anziehen |
| Felgendurchmesser | in Zoll, z. B. 2,2 Zoll | Reifen und Felge mit gleicher Angabe kaufen |
| Offset (Einpresstiefe) | herstellerabhängig | mehr Offset = breitere Spur, mehr Last auf den Lagern |
| Befestigung | verklebt oder Beadlock | Beadlock lässt sich ohne Kleber wechseln, wiegt mehr |
Bei meinem Reely Air Attack sind die Reifen laut Anleitung verklebt, 44 mm breit und haben 110 mm Durchmesser. Die Maße stehen bei vielen Modellen in der Anleitung oder auf der Reifenflanke. Für Großmodelle wie 1:5 und 1:6 gelten eigene Größen – prüf vor dem Kauf Durchmesser, Breite und Mitnehmer.
Gelöste Reifen klebst du mit dünnflüssigem Sekundenkleber nach. Wie das bei großen Reifen im Maßstab 1:5 und 1:6 sauber klappt, habe ich in der Anleitung Reifen kleben beschrieben. Den Reifendurchmesser brauchst du auch für die Tempo-Berechnung unter Übersetzung: Größere Reifen machen das Auto bei gleicher Übersetzung schneller und belasten den Antrieb stärker.
Wie pflegst du RC-Reifen?
RC-Reifen pflegst du, indem du sie nach der Fahrt reinigst, trocknen lässt, auf gelöste Stellen prüfst und kühl und dunkel lagerst. So halten Gummi und Einlage länger, und du erkennst Schäden, bevor sich ein Reifen während der Fahrt von der Felge löst.
- Grob reinigen
Dreck mit Bürste oder Druckluft entfernen, bei Schlamm mit lauwarmem Wasser. Elektronik und Lager dabei nicht fluten.
- Trocknen lassen
Nasse Reifen mit offenporiger Einlage saugen Wasser auf und werden schwer. Entlüftungslöcher in Reifen oder Felge lassen Wasser ablaufen; bei Bedarf das Rad zum Trocknen aufstellen.
- Kleberand prüfen
Reifen rundum vom Felgenrand wegdrücken. Löst er sich, sofort nachkleben – siehe Reifen kleben.
- Profil ansehen
Abgefahrene oder abgerissene Stollen zeigen, wann ein Satz fällig ist. Ungleich abgefahrene Reifen deuten auf Sturz, Spur oder Antrieb hin.
- Richtig lagern
Modell auf einen Bock stellen, damit die Reifen nicht platt stehen. Reifen kühl, dunkel und vor Sonne geschützt lagern.
Ein Reifen, der sich nur auf einer Seite schnell abnutzt, ist oft ein Setup-Thema: Sturz und Spur stellst du nach dem RC-Car-Setup ein. Dreht bei Allradmodellen ständig ein Rad durch, lohnt auch ein Blick ins Differential – wie du das Öl wechselst, zeigt Diff-Öl wechseln.
Sekundenkleber verklebt Haut in Sekunden und reizt Augen und Atemwege: nur gut belüftet arbeiten, Schutzbrille tragen. Beim Probelauf auf dem Bock können sich gelöste Reifen durch die Fliehkraft aufblähen und abreißen – Abstand halten. Auf Eis nur fahren, wo es sicher trägt, und nie selbst hinterherlaufen.
Teste dein Wissen
Häufige Fragen
Welche Reifen sind die besten für ein RC-Car?
Die besten Reifen sind die, die zu deinem Untergrund passen. Für gemischtes Gelände ist ein mittleres Stollenprofil mit mittlerer Mischung der sicherste Kompromiss.
Kann ich RC-Reifen ohne Einlage fahren?
Kaum. Ohne Einlage knickt die Flanke ein, der Reifen rollt über die Felge und das Auto lenkt schwammig. Nur sehr steife Spezialreifen kommen ohne Einlage aus.
Was bedeutet 12-mm-Sechskant?
Das ist die Schlüsselweite des Mitnehmers, der die Felge antreibt. 12 mm ist bei 1:10 typisch, 17 mm bei 1:8. Die Felge muss genau dazu passen.
Warum löst sich der Reifen von der Felge?
Meist hält die Klebung nicht mehr, etwa nach vielen Fahrten oder durch Fliehkraft bei hoher Drehzahl. Gelöste Stellen sofort mit dünnflüssigem Sekundenkleber nachkleben.
Machen größere Reifen das Auto schneller?
Ja, bei gleicher Übersetzung legt das Rad pro Umdrehung mehr Weg zurück. Dafür steigt die Last auf Motor und Antrieb, und das Auto beschleunigt schwächer.
Quellen
- Tire – Wikipedia (englisch) – Profil für losen Untergrund, Slicks auf trockenem Belag, weiche Mischung mit mehr Grip und schnellerem Verschleiß, Flankensteifigkeit
- Slick – Wikipedia – größere Kontaktfläche ohne Profil, Haftung abhängig von Betriebstemperatur und Mischung
- Rollwiderstand – Wikipedia – Walkarbeit als Ursache des Rollwiderstands, Verdrängungsarbeit auf Sand und Schotter
- Shore durometer – Wikipedia (englisch) – Shore-Härte: Skala 0 bis 100, höher bedeutet härter
- Foam Tire Inserts – rcnewb (englisch) – Aufgabe der Schaumstoffeinlage: Reifen behält seine Form und sein Fahrverhalten
- Bedienungsanleitung Reely Air Attack (zusammengefasst auf der Modellseite Air Attack) – verklebte Reifen, Breite und Durchmesser
Stand: Oktober 2026. Technische Angaben sind Richtwerte; die Anleitung deines Herstellers hat Vorrang.